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Am pergamenischen Altar PK

Wie an jedem anderen Museumstag sammeln sich die Menschen allmählich vor und auf den Stufen des Altars. In der Hand halten sie eine Eintrittskarte, die nach den historischen Diagrammen zur Programmierung des ENIAC gestaltet ist.

1. Akt: Exposition | 15 min

Drei Projektionen an die Wände oberhalb des Altars nehmen die Form des Monuments auf und entführen das Publikum in das Innere einer Großrechenanlage. Zu sehen ist eine graphische Emulation des ENIAC. An seinen Steckfeldern, Drehknöpfen und Schaltern nimmt das Geschehen seinen Lauf.

An exponierter Stelle im Raum befindet sich ein Mikrophon. Entsprechend der historischen Szene und den mittlerweile ausgefüllten Diagrammen auf der Eintrittskarte werden akustische Direktiven gegeben an welcher Stelle Schalter zu betätigen und wohin welche Kabel zu stecken sind. Das Publikum übernimmt die Ansage: ohne Programmierung kein Programm.

8 Tänzerinnen befinden sich vereinzelt unter den Besuchern. Alias den ENIAC-Girls befolgen sie die akustischen Anweisungen, ziehen zielgerichtet durch die Szene zu Orten, die mit der Projektion verbunden sind und strukturieren so den Raum. Am damit korrelierenden immer komplexer werdenden Klang erkennen die Menschen Zug für Zug, dass es hier um Prozeduren und keine Repräsentation mehr geht.

Fließender Übergang zum zweiten Akt.

2. Akt: Konfiguration | 30 min

Mit zunehmender Dichte des Sound wird das Mikrophon abgeschaltet. Die Projektion wechselt. Erste synthetische Skulpturen stellen sich einzeln vor. Zu sehen sind mathematische Operationszeichen (z.B. * oder √ ) in Tiergestalt – zunächst noch in 2D. Das Auftreten der Tiere wirkt wie ein analytisches Filter auf die Struktur des Klanges. In der Reduktion wird verständlich wie, nach mathematischen Operationen differenziert, sich melodische Formen und Rhythmen am ENIAC gemäß einzeln ablaufender Programmteile generieren.

Die Bewegungen der Tänzerinnen nehmen die Zeitform der fragmentierten Programmteile motivbildend als ihr Vokabular auf. Gesang hebt an. Zwei unsichtbare Stimmen singen nach überlieferten Fragmenten und Skalen des altgriechischen Musikprogramms. Während sie beginnen aufeinander zu hören und sich gegenseitig nachzuahmen, synchronisieren sie sich zusehends. Die Gliedmasse der synthetischen Strukturen richten sich nach den Intervallverhältnissen der Musik. Was zunächst vereinzelt stereophon erklang, hallt wieder in der antiken enharmonischen Tradition ursprünglich rein gestimmter Diaphonie. An den eindrucksvollen NOMOI des altgriechischen Gesangs wachsen die synthetischen Skulpturen heran. Der Tanz gewinnt an Strenge und Struktur.

Fließender Übergang zu Akt 3.

3. Akt: Exekution | 15 min

An der Systematik zeitkritischer Bewegungen von Körper und Skulptur wird der ENIAC reprogrammiert. Sound-Cluster bilden sich aus. Tiere und Tänzerinnen versammeln sich. Sie permutieren Motive aus Akt 2 und organisieren zunehmend bühnenhaft den Raum. Das Wesen des Sound ist die Zeit. Unmittelbar in der Koordination von Bild, Tanz und Sound erfährt das Publikum die musikalische Modulation und musiktechnologische Entwicklung unseres Wissens um die Zeit – mittelbar aber, von der abhängigen Geschichtlichkeit des Seyns:

Die Ausführung des jetzt konfigurierten Programms beginnt. Am Sound des ENIAC konzentriert sich erneut das choreographische Geschehen und die am Klang erwachsenen Tiergestalten verflachen wieder zu Silhouetten von symbolischem 2D. Mit dem Beginn des zweiten Abschnitts zieht die Projektion über dem Fries an das Heiligtum des Altars zwischen die Kolonnaden um. Während zu frommem Tanz die Simulation der Wasserstoffbombe erklingt werden die Tiere geopfert und die Projektion blendet aus.

Mit dem verlöschen der synthetischen Skulpturen aber transformiert sich abermals der Sound. In seiner Entwicklung, von den operativen Clustern der Fusion zu einer 32-fach in den Raum gestrahlten Polyphonie, hören wir das weithin Offene unserer technischen Existenz. Als ihr Emblem verharren die Tänzerinnen schließlich als Fries – beschienen vom messenden Licht holographischer Projektion.

Feierlich am pergamenischen Altar PK, dem Ort der Gigantomachie, entlassen die ENIAC NOMOI den Besucher selbst als lebendige Holographie in unsere kunstvolle Welt der technologischen Poesie.